Pressemeldung vom 21.03.2025 - Landsberg
Raus aus der Stagnationsfalle – Wirtschaft braucht tiefgreifende Reformen
Ganz im Zeichen einer aufrüttelnden Kabinenansprache stand der Vortrag von IHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl auf dem diesjährigen IHK-Wirtschaftsempfang im Stadttheater Landsberg. Nach den vorgezogenen Bundestagswahlen und aktuellen Debatten über Sondervermögen für Infrastruktur-Investitionen sowie Ausgaben zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit waren die Themen des Abends gesetzt. Gastgeber Reinhard Häckl, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Landsberg am Lech, freute sich, Mitgastgeberin Doris Baumgartl, Oberbürgermeisterin von Landsberg (Unabhängige Bürgervereinigung, UBV) sowie den stellvertretenden Landrat Markus Wasserle (SPD) zu begrüßen. Baumgartl betonte in ihrem Grußwort die Bedeutung einer guten Partnerschaft zwischen Wirtschaft, Verwaltung und Politik. Veranstaltungen wie diese stärken Zusammenarbeit und Miteinander und seien deshalb in herausfordernden Zeiten umso wichtiger, so die Rathauschefin.
IHK-Wirtschaftsempfang im Stadttheater Landsberg mit über 150 Gästen
Gößls detaillierte Analysen zur Lage in Wirtschaft und Politik hielten die Zuhörerinnen und Zuhörer anschließend in Atem. Der IHK-Chef beschönigte nichts und verwies darauf, dass die Wirtschaftsleistung in Deutschland seit 2019 inflationsbereinigt nicht mehr gewachsen sei. Alle relevanten Kennzahlen wie Arbeitsvolumen, Arbeitsproduktivität, Export und privater Konsum stagnierten oder seien wie die Unternehmensinvestitionen sogar rückläufig. Aller Voraussicht nach werden die 2020-er Jahre das wachstumsschwächste Jahrzehnt seit Gründung der Bundesrepublik.
Damit einhergehend lautete sein Appell, die Politik und vor allem die künftige neue Bundesregierung zwingend in die Pflicht zu nehmen: „Für eine gute Zukunft reicht es nicht, wenn der Staat viel Geld ausgibt – wie jetzt mit den Sondervermögen vorgesehen. Mehr Schulden ohne einschneidende strukturelle Reformen werden zu Verschwendung, Inflation, höheren Zinsen und enormen Lasten für die jüngeren Generationen führen. Was unsere Wirtschaft braucht, sind eine spürbare Entlastung von Steuern und Abgaben auf Investitionen und Arbeit, einen radikalen Bürokratieabbau, eine echte Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie eine bezahlbare soziale Absicherung.“ Gößl bemängelte, dass die Notwendigkeit von solchen Reformen in der aktuellen Diskussion um die Sondervermögen so gut wie keine Rolle spiele. Nichts sei jetzt wichtiger als echter Wille und Mut zu Reformen. Es brauche wegen der gewaltigen Herausforderungen, denen sich die Wirtschaft stellen müsse, Entschlossenheit und die richtige Mentalität des An
packens. „Dabei“, so Gößl weiter, „können wir auf die Kraft unserer Mittelständler, der familiengeführten Hidden Champions sowie auf die Leistungsstärke unserer Wissenschaftszentren und Start-ups vertrauen. Wir haben das Potenzial hier vor Ort, um unsere wirtschaftlichen Probleme zu lösen. Nutzen wir das vorhandene Ökosystem für neue Innovationen, neue Geschäftsideen und zukunftsfähige Technologien. Dazu muss aber jeder einzelne von uns auch Leistung zeigen, bereit sein, an eigene Grenzen zu gehen und sich den Herausforderungen entschlossen zu stellen.“
Damit knüpfte Gößl auch an die Worte von Ausschussvorsitzendem Reinhard Häckl zu Beginn des Empfangs an. Häckl hatte gesagt: „Entscheidend ist, nicht den Blick auf das Wesentliche zu verlieren: Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass unser Landkreis eine attraktive Wohn- und Arbeitsregion bleibt, dass wir die jungen Generationen und unseren Fachkräftenachwuchs im Landkreis halten, ihm in unseren Unternehmen Zukunftsperspektiven aufzeigen und damit letztendlich unser Unternehmertum nachhaltig stärken.“
Der Abend klang mit der Möglichkeit zum Austausch und Netzwerken aus. Gößls Vortrag sorgte für viel Gesprächsstoff und Diskussion unter den rund 150 Gästen aus der regionalen Unternehmerschaft, Kommunalpolitik sowie Verwaltung und Gesellschaft.